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Der folgende Text stammt aus einem Diskussionsbeitrag vom 09.08.2017.

Vor einigen Wochen kam hier die Frage auf, was man von der Behauptung halten solle, Harry Potter sei satanistisch und gegen den christlichen Glauben (Harry Potter ist satanistisch?). Ebenso wie viele andere wusste ich nicht, was ich davon halten sollte, weil ich es nicht nachvollziehen konnte. Eigentlich finden sich ja viele christliche Werte und Parallelen in den Romanen wieder (Harry Potter und die Bibel?).
Da ich mir aber gerne mehrere Meinungen anhöre, hat es mich nun doch mal interessiert, wie die Gegner von Harry Potter ihre Abneigung begründen. Das Ergebnis meiner Recherche will ich hier mal darstellen. Vielleicht ermöglicht uns die Kenntnis darüber sogar, ihre Behauptungen widerlegen zu können.


Bei der Recherche fiel mir zunächst auf, dass es viele Argumente gibt, die von Leuten kommen, die nie ein HP Buch gelesen haben. Damit sind sie meist nicht wirklich haltbar.
Oder aber die haben es gelesen, wie z. B. Gabriele Kuby („Harry Potter – Gut oder Böse“), dabei aber die Aussagen so verdreht, dass ein völlig falsches Bild der Bücher entsteht. Entsprechend negativ fallen die meisten Buchbewertungen aus. Allein ein Blick auf ihre „10 Argumente gegen Harry Potter “ zeigt, dass sie die Aussage der Bücher komplett falsch verstanden hat – oder komplett falsch verstehen wollte. Ich denke, mindestens die Hälfte ihrer Argumente können wir widerlegen (will ich jetzt nicht machen, dauert zu lange ;))

Es gibt aber auch Quellen, die durchaus sinnvolle und nachvollziehbare Argumente gegen Harry Potter hervorbringen. Diese kommen meist aus streng gläubigen Kreisen. Die meisten begründen ihre Abneigung gegen Zauberei mit dem 5. Buch Mose:
„Wenn du in das Land kommst, das der HERR, dein Gott, dir gibt, dann sollst du nicht lernen, es den Greueln dieser Nationen gleichzutun. Es soll unter dir niemand gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen läßt, keiner, der Wahrsagerei treibt, kein Zauberer oder Beschwörer oder Magier oder Bannsprecher oder Totenbeschwörer oder Wahrsager oder der die Toten befragt. Denn ein Greuel für den HERRN ist jeder, der diese Dinge tut. Und um dieser Greuel willen treibt der HERR, dein Gott, sie vor dir aus. Du sollst dich ungeteilt an den HERRN, deinen Gott, halten. Denn diese Nationen, die du austreiben wirst, hören auf Zauberer und auf Wahrsager. Du aber - so etwas hat der HERR, dein Gott, dir nicht gestattet!“ (5. Mose 18,9-13)
Das Alte Testament bezieht also ganz klar Stellung zu diesen Dingen, die in Harry Potter vorkommen. Das ist das, was gläubige Christen unter „Okkultismus“ verstehen und was von Gott nicht gewollt ist. Man soll sich nur an Gott selbst halten, nicht an Andere, schon gar nicht an Vorbilder, die okkulte Praktiken durchführen. (Deshalb stoßen sich viele auch an der Tatsache, dass sich viele Kinder ein „übernatürliches Mal“ auf die Stirn malen.) Zauberei und Okkultismus werden als Aufstand gegen Gott gesehen. Folglich ist jede Form der Zauberei böse, es gibt keine guten Zauberer, denn dahinter steckt der gefallene Engel, Satan höchstselbst.

Nun sagen natürlich viele andere (auch viele Christen), dass HP einfach eine gute Fantasy-Story und daher unbedenklich zu lesen ist. Auch Kinder können sehr wohl reale von fiktiven Dingen unterscheiden. Die Kritiker halten jedoch weiter mit Bibelzitaten dagegen:
„Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf! Denn man muss sich schämen, von dem, was sie tun, auch nur zu reden.“ (Epheser 5,10-12)
„Meidet das Böse in jeglicher Gestalt!“ (1. Thessalonicher 5,22)
„Wehe denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen, die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen, die das Bittere süß und das Süße bitter machen.“ (Jesaja 5,20)
Es ist ihrer Meinung nach also egal, ob die Geschichte gut ist oder Kinder zum Lesen bringt – selbst durch die bloße Unterhaltung mit der Materie gibt man sich den kreativen Ideen Satans hin. Es ist schließlich bekannt, dass Satan heimtückisch und hinterhältig agiert und Böses oft in vermeintlich Gutem verpackt wird.

Jetzt kann man sich natürlich fragen, wieso es diese Kritiker ausgerechnet auf Harry Potter abgesehen haben, wo es doch so viele andere Beispiele der Fantasy-Literatur gibt, in der okkulte Dinge angesprochen werden. Natürlich stehen diese ebenso in der Kritik, aber ein Argument spricht besonders gegen HP: das Geheimhaltungsabkommen der magischen Gemeinschaft.
Dabei habe ich den Eindruck bekommen, dass einige Kritiker Zauberei für ebenso real halten, wie die Existenz Gottes und Satans. Es ist für sie also keineswegs nur Fantasie oder Aberglaube, dass diese okkulten Dinge wirklich existieren. Damit besteht die Befürchtung, dass Kinder, die HP lesen, nicht nur in Versuchung kommen Zauberei anzuwenden, sondern diese Praktiken auch vor den Eltern geheim zu halten. Man befürchtet neben der Entfremdung der Kinder von ihren Eltern sogar die Entwicklung einer zaubernden, sektenähnlichen Organisation, die eines Tages als Heer Satans agieren könnte.

Die Blitznarbe auf der Stirn von Kindern halten manche sogar als ein erstes Anzeichen dafür, dass sich die düstere Offenbarung des Johannes schon bald bewahrheiten könnte:
„Die Kleinen und die Großen, die Reichen und die Armen, die Freien und die Sklaven, alle zwang es, auf ihrer rechten Hand oder ihrer Stirn ein Kennzeichen anzubringen.“ (Offenbarung 13,16)


So, wo bin ich also mit meiner Recherche hingekommen? Eigentlich wollte ich im Idealfall die Argumente der Kritiker nehmen und mit eigenen Ideen widerlegen können. Bei Gabriele Kuby funktioniert das auch ganz gut, aber es gibt Argumente, die ich so akzeptieren muss, weil sie sich mit der Religion begründen – und zwar logisch. Man kann natürlich die Bibel selbst infrage stellen, das würde die Kritiker jedoch nicht überzeugen; diese Jahrhunderte alten Schriften haben einfach zu tiefe Spuren hinterlassen. Ich wüsste nicht, was ich auf dieser Ebene den Kritikern entgegenhalten sollte...

An meiner persönlichen Einstellung zu Harry Potter haben die Argumente der Gegner nichts verändert; dazu nehme ich die Bibel einfach nicht wörtlich genug (wieso, darüber könnte ich noch einen Aufsatz schreiben…). Für mich bleibt es eine Geschichte, die zum Einen einfach nur super spannend ist und zum Anderen auch christliche Werte vermittelt. Dennoch fand ich es sehr interessant, die Ansichten der Gegner zu erkunden und zu begreifen (meiner Meinung nach Grundvoraussetzung in einem demokratischen System) – ich hoffe, ihr habt das auch so empfunden. Vielleicht hat es euch geholfen, die Behauptungen, Harry Potter sei satanistisch, besser einordnen zu können. 😉

PS: Wer sich noch mal mit (guten) Argumentationslinien der Gegner beschäftigen will, hier die beiden Hauptquellen meiner Recherche:
http://www.lebenszeugnis.de/index.php?page=harry-potter-aus-gottes-sicht
http://www.bibelundermutigung.de/harry_potter.htm

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